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Financial Due Diligence
Die Financial Due Diligence prüft, wie viel ein Unternehmen nachhaltig verdient, welche Schulden auf den Kaufpreis angerechnet werden und ob die Planung trägt. Sie liefert die Zahlen, auf denen Bewertung und Kaufpreis aufbauen.
Kurz gesagt
- Im Mittelpunkt stehen das bereinigte EBITDA, die Nettofinanzschulden, das Nettoumlaufvermögen und die Planung.
- Bereinigt werden Einmaleffekte, ein nicht marktüblicher Lohn der Eigentümer und Geschäfte mit Nahestehenden.
- In der Schweiz verdienen stille Reserven im OR-Abschluss besondere Aufmerksamkeit.
- Die Zahlen gehören neben die Verträge: Ein Umsatz, den ein Vertrag nicht trägt, gehört nicht in die Planung.
Was prüft die Financial Due Diligence?
| Thema | Was es zeigt | Typische Frage |
|---|---|---|
| Bereinigtes EBITDA | Den nachhaltigen Ertrag ohne Sondereffekte | Was verdient das Unternehmen in einem normalen Jahr? |
| Nettofinanzschulden | Was vom Unternehmenswert für die Anteile übrig bleibt | Welche Schulden und schuldenähnlichen Posten zieht der Käufer vom Preis ab? |
| Nettoumlaufvermögen | Das Kapital, das im Tagesgeschäft gebunden ist | Wie viel Vorräte und Forderungen braucht der Betrieb normalerweise? |
| Geldfluss | Wie viel vom Gewinn als Geld ankommt | Wie viel muss jedes Jahr investiert werden? |
| Planung | Die Erwartung für die nächsten Jahre | Ist die Planung mit Verträgen, Kunden und Vergangenheit vereinbar? |
Was ist das bereinigte EBITDA?
Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ist die Kennzahl, an der sich Käufer am häufigsten orientieren. In den Abschlüssen steckt aber selten ein «normales» Jahr. Darum wird bereinigt, in der Praxis auch Quality of Earnings genannt. Typische Bereinigungen sind:
- einmalige Erträge und Kosten, etwa ein Verkaufsgewinn oder ein Rechtsstreit,
- ein Lohn der Eigentümer, der vom Marktüblichen abweicht,
- Geschäfte mit Nahestehenden zu Preisen, die ein Dritter nicht zahlen würde, etwa Mieten für eine Liegenschaft des Eigentümers,
- Kosten, die nach dem Verkauf wegfallen oder neu dazukommen.
Was bedeuten stille Reserven im Schweizer Abschluss?
Nach Obligationenrecht dürfen Unternehmen zusätzliche Abschreibungen und Wertberichtigungen vornehmen und so stille Reserven bilden (Art. 960a Abs. 4 OR). Ein OR-Abschluss kann den Gewinn deshalb zu tief zeigen. Werden stille Reserven aufgelöst, zeigt er ihn in einem Jahr zu hoch. Die Financial Due Diligence rechnet beides heraus. Abschlüsse nach Swiss GAAP FER oder IFRS sollen ein Bild zeigen, das den tatsächlichen Verhältnissen entspricht, und sind dafür die bessere Grundlage.
Was zählt zu Nettofinanzschulden und Nettoumlaufvermögen?
Käufer und Verkäufer einigen sich meist auf einen Unternehmenswert ohne Schulden und ohne flüssige Mittel. Für die Anteile bezahlt der Käufer diesen Wert abzüglich der Nettofinanzschulden. Was dazu zählt, ist oft der grösste Streitpunkt: neben Bankkrediten etwa Darlehen von Gesellschaftern, aufgeschobene Zahlungen, Leasing, nicht gedeckte Vorsorgeverpflichtungen, beschlossene Dividenden oder Steuerschulden.
Dazu kommt das Nettoumlaufvermögen. Zieht der Verkäufer kurz vor dem Stichtag Forderungen ein und zahlt Lieferanten später, sieht die Kasse gut aus und der Käufer muss nachfinanzieren. Darum vereinbaren die Parteien oft ein normales Niveau und gleichen Abweichungen über den Preis aus.
Wie wird die Planung geprüft?
Eine Planung ist eine Erwartung, kein Beleg. Die Financial Due Diligence legt sie neben die Vergangenheit und neben die Verträge. Wachsen Umsätze schneller als je zuvor? Hängt ein grosser Teil an wenigen Kunden? Darf ein Kunde bei einem Eigentümerwechsel kündigen? Solche Fragen verbinden die Zahlen mit der Legal Due Diligence.
Financial Due Diligence mit KI
majiq liest Umsatz, EBITDA und Nettofinanzschulden je Gesellschaft direkt aus den Abschlüssen und rechnet sie nach, über mehrere Jahre und für jede Gesellschaft der Gruppe. Jede Zahl ist mit ihrer Quelle verknüpft, auffällige Positionen werden als Befund festgehalten. majiq gleicht die Abschlüsse ausserdem mit Verträgen und Planung ab und zeigt Widersprüche als Befund. Mehr dazu unter KI in der Due Diligence.
Häufige Fragen
Wer macht die Financial Due Diligence?
Meist Wirtschaftsprüfer und Treuhänder, bei grösseren Deals spezialisierte Teams für Transaktionen. Beauftragt werden sie vom Käufer oder, bei einer Vendor Due Diligence, vom Verkäufer.
Reicht der Bericht der Revisionsstelle nicht?
Nein. Die Revision prüft, ob der Abschluss den Regeln entspricht, nicht, was ein Käufer nachhaltig erwarten kann. Viele kleinere Schweizer Unternehmen haben zudem nur eine eingeschränkte Revision oder verzichten mit dem Opting-out ganz darauf.
Was ist der Unterschied zwischen Locked Box und Closing Accounts?
Bei der Locked Box steht der Preis auf Basis einer Bilanz vor dem Vertrag fest, und der Verkäufer sichert zu, dass seither kein Geld abgeflossen ist. Bei Closing Accounts wird der Preis nach dem Vollzug anhand einer Bilanz auf den Stichtag angepasst.
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Stand: 5. November 2026. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.